Nata­lia Psche­nit­sch­ni­ko­va | Birds Conservations

2. Klang­land­schaf­ten en minia­tu­re: Musik sehen — Natur hören: 12.–20. Juni 2021

Musi­ker, Publi­kum, Bür­ger­meis­ter und Pfar­rer waren glück­lich: Trotz der noch gel­ten­den Coro­na-Ein­schrän­kun­gen war es gelun­gen, mit die­ser zwei­ten Aus­ga­be die „Müh­len­be­cker Klang­land­schaf­ten“ in dem klei­nen Dorf nörd­lich von Ber­lin wei­ter zu eta­blie­ren. Ein hal­bes Jahr­hun­dert ist es jetzt her, dass der Maler, Archi­tekt und Umwelt­schüt­zer Frie­dens­reich Hun­dert­was­ser einen Frie­dens­ver­trag mit der Natur for­der­te – die „Klang­land­schaf­ten: Musik sehen & Natur hören“ wol­len ihren Teil zu die­sem Frie­dens­ver­trag beizutragen.

Wich­ti­ge Pro­gramm­tei­le muss­ten aller­dings – coro­nabe­dingt – auf 2022 ver­scho­ben wer­den, so der gan­ze Sonn­tag in den rena­tu­rier­ten Rie­sel­fel­dern von Hobrechst­fel­de von früh um zwei bis abends um zehn Uhr mit „Zwit­scher­mu­sik“ und „Sechs­füß­ler­mu­sik“; die Urauf­füh­rung der Dorf­Land­schafts­Kom­po­si­ti­on „klang.wandel“ von Ralf Hoyer wie auch das Kon­zert des Kam­mer­en­sem­bles der Leo Kes­ten­berg Musik­schu­le Ber­lin am Summ­ter See mit einer Urauf­füh­rung von Olga Raje­va. Auf die 3. „Klang­land­schaf­ten: Müh­len­beck Hobrechts­fel­de“ kann man also schon gespannt sein.

Enri­co Stolzenburg_Hörspaziergang Summt! für mobi­le Laut­spre­cher und Publi­kum um den Summ­ter See (© Sebas­ti­an Rausch)
Trai­ler 2019

Nicht nur Maler, son­dern auch Kom­po­nis­ten haben die Natur schon immer als Inspi­ra­ti­ons­quel­le geschätzt. Doch erst in jün­ge­rer Zeit sind – vor allem als Reak­ti­on auf den Kli­ma­wan­del – neue For­ma­te ent­stan­den. Musik kann musi­ka­li­sche Reso­nanz auf kon­kre­te Land­schaf­ten sein, sie nutzt geo­lo­gi­sche und kli­ma­ti­sche Pro­zes­se und formt die­se musi­ka­lisch als Daten­so­ni­fi­ka­ti­on, sie baut aus dem akus­ti­schen Mate­ri­al der Glet­scher­schmel­ze Kom­po­si­tio­nen oder lässt die Stim­men aus­ge­stor­be­ner Vögel wie­der leben­dig wer­den. Das Pro­gramm vom 12.–19. Juni – obwohl „en minia­tu­re“ – bau­te dar­auf auf, nicht zuletzt, in dem es sol­cher­art neue Kon­zert­for­ma­te anregte.

Bereits eine Woche im Vor­feld waren zwei Klang­in­stal­la­tio­nen „insi­de“ und „out­side“ der Müh­len­be­cker Dorf­kir­che zu erle­ben: „Wit­te­rungs­in­stru­men­te“ von Vol­ker Staub und die bei­den Klän­ge­mat­ten zwi­schen den alten Kas­ta­ni­en „Raum­schiff Erde“ von And­re Bar­tetz­ki. Für die „Wit­te­rungs­in­stru­men­te“ hat­ten Regen, Wind und Hagel auf Objek­ten aus Por­zel­lan, Metall und Glas das Klang­ma­te­ri­al bereit­ge­stellt. Gleich einer Mah­nung eröff­ne­te Vol­ker Staubs Solo-Per­for­mance Zer­stü­cke­lung des Regen­bo­gens das Fes­ti­val inner­halb die­ser Klang­in­stal­la­ti­on. Die Klän­ge­mat­ten wie­der­um trans­for­mier­ten Mess­da­ten von seis­mi­schen Akti­vi­tä­ten des Erd­bo­dens und des inter­pla­ne­ta­ren Magnet­felds in Klang und Vibra­ti­on: Him­mel und Erde – Natur­er­eig­nis­se als Klangerlebnis. 

Klang­in­stal­la­tio­nen­er­öff­nung © Vol­ker Gaeng

Im Kon­zert für Baum­stäm­me, Stei­ne und Gib­bons-Gesän­ge waren Natur­ob­jek­te eigen­wil­lig klin­gen­de Instru­men­te, wäh­rend der Gesang von Pri­ma­ten zum ernst zu neh­men­den Impro­vi­sa­ti­ons­part­ner wur­de. Zugleich war die­ses Kon­zert ein coro­nabe­ding­tes Expe­ri­ment für das gemein­sa­me Musi­zie­ren von anwe­sen­den und abwe­sen­den Musi­kern. Denn das Duo Ivo Nils­son (Posau­ne) und Jon­ny Axels­son (Per­cus­sion) aus Stock­holm konn­te nicht anrei­sen. Sie hat­ten zwei Stü­cke vor­pro­du­ziert – ange­regt durch das The­ma des Fes­ti­vals inmit­ten der schwe­di­schen Wäl­der – und eines – Chris­ti­an Wolffs „Stones“ – in und mit einer Fels­land­schaft. Vor Ort spiel­ten der Schlag­zeu­ger Ale­jan­dro Sar­re­gui und der Kom­po­nist und Musi­ker Vol­ker Staub, kor­re­spon­die­rend mit den in der Müh­len­be­cker Dorf­kir­che abge­spiel­ten Vide­os. – Peter Ablin­gers soge­nann­ten Hör­lu­pen – Kopf­hö­rer mit Mikro­pho­nen – lie­ßen erken­nen, was sonst ver­bor­gen bleibt. Pro­fes­sor Kas­par Bie­nen­feld vom Län­der­in­sti­tut für Bie­nen­kun­de Hohen Neu­en­dorf refe­rier­te in sei­nem Vor­trag über die Situa­ti­on der Bie­nen in Zei­ten des Kli­ma­wan­dels. Enri­co Stol­zen­burg ließ mit sei­nem Klang­par­cours für 30 mobi­le Laut­spre­cher einen schein­bar bekann­ten Wald­see akus­tisch neu erle­ben. Und beim kon­zer­tan­ten Tria­log der Stimm­per­for­me­rin Ute Was­ser­mann, der Flö­tis­tin Sabi­ne Vogel und des Trom­pe­ters Mazen Ker­baj im Abschluss­kon­zert ver­schmol­zen schließ­lich Vogel­ge­sang, Schilf­rau­schen und die See­land­schaft im Abend­licht – bei dro­hen­dem, aber vor­bei gezo­ge­nem Gewit­ter – und die dar­in ein­ge­bet­te­te, hoch­ar­ti­fi­zi­el­le Impro­vi­sa­ti­ons­kunst zu einer neu­en Art von Gesamtkunstwerk.

Rück­blick 2019: 

24.5.2019, ab 14.00 Uhr: Pro­log vor der Dorf­kir­che Müh­len­beck: Xen­a­kis – Psap­pha mit Tex­ten aus Papst Fran­zis­kus‘ Umwelt-Enzy­kli­kaChor­kon­zert Beob­ach­ten, Zuhö­ren, Reagie­ren mit Kom­po­si­tio­nen von Brand­mül­ler, P.H.Lang (UA), Car­dew, Oil­vei­ra (Eni­kö Gin­ze­ry: Cym­ba­lom; Chor und Leis­tungs­grup­pe Musik des Georg-Her­wegh-Gym­na­si­ums Herms­dorf, Ltg. Lud­ger Kis­ters) – Klang­par­cours Über­ra­schen mit dem Ensem­ble Ato­nor und Klang­skulp­tu­ren von Erwin Sta­che – Film Win­ter­mu­sic und Was­serer­in­ne­run­gen (Uli Aumüller/Sebastian Rausch) – Podi­ums­ge­spräch Die Kunst der Wahr­neh­mungAbend­kon­zert Was­ser­land­schaf­ten mit Wer­ken von L. Kis­ters, H. Tul­ve, L. Nono, K. Saa­ria­ho, G. Eckert, S. Nešić (Ensem­ble Refle­xi­on K) 25.5.2019, ab 4.00 Uhr: Vogel­uhr­wan­de­rung (Ltg. Tim Peschel) – Kon­zert Fei­er der Natur am Summ­ter See mit Wer­ken von Vival­di, Play­ford, Tele­mann (laut­ten com­pa­gney BERLIN) – Wald­füh­rungAlarm­zei­chen (Ltg. Tim Peschel) – Luft­kon­zertRau­schen Hören Sin­gen auf einer Wald­lich­tung (Teo­do­ro Anzel­lot­ti, Tizi­an Zim­mer­mann, Kal­le Moberg, Akkor­de­on) – Music-Par­cours Nähe und Fer­ne (MÄN A KOR Schön­wal­de) – Abschluss­kon­zert am Summ­ter See Die unbe­ant­wor­te­te Fra­ge mit Wer­ken von Ch. Ives, N. Psche­nit­sch­ni­ko­wa, T. Murail, P. Ablin­ger (UA), G. Eckert (Strei­cher + Blä­ser­grup­pe der Kreis­mu­sik­schu­le Ober­ha­vel, Ltg: G. Eckert, P. Hüb­ner (Trom­pe­te), B. Wag­ner (Flö­te), Flö­ten­quar­tett U. Wei­ler, Ensem­ble Par­ti­ti­ons & Reso­nan­ces (Ltg. John­ny Chang).

Aus­blick 2022: 

17.6. Summ­ter See: Peter Kös­zeg­hy, „Tot­holz“. Klang­werk aus und mit den Wäl­dern“, ein­ge­bet­tet in einen Hör­par­cours von Sabi­ne Vogel

18.6. Müh­len­beck: Ralf Hoyer, “klang.wandel”: Dorflandschaft(s)Komposition für 60 Blä­ser und Orgel (UA) mit dem Jugend­blas­or­ches­ter Klein­mach­now, Ltg. Mar­tin Aust —Summ­ter See: “Mit dem See lau­schen”: Kon­zert mit Wer­ken von Olga Rajewa (UA), Micha­el Pars­son, Kon­stan­tia Gour­zi, Charles Ives mit dem Kam­mer­or­ches­ters der Leo Kes­ten­berg-Musik­schu­le Schö­ne­berg, Ltg. Alex­an­der Ramm 

19.6. Ein Tag um den Korn­spei­cher Hobrechts­fel­de Vogel­stim­men­wan­de­rung in der Frü­he — Zwit­scher­mu­sik (UA) immer­si­ve Klang­wol­ke für 150 Kehl­köp­fe von Debo­rah Car­ru­thers , S. Bhag­wa­ti — Sechs­füss­ler­mu­sik (UA)  für 60 trag­ba­re Blas­in­stru­men­te von San­deep Bhag­wa­ti — Reci­tal Caro­lin Wid­mann zum Son­nen­un­ter­gang — eine ein­sa­me Gei­ge auf wei­ter Flur — Natur­füh­run­gen, Work­shops, Gesprä­che u.a.m.

Ver­an­stal­tet wer­den die “Klang­land­schaf­ten” von der Pro­jekt­grup­pe Musik im För­der­ver­ein Natur­park Bar­nim: Dr. Gise­la Nauck, Elke Molt­recht, Uli Aumül­ler und Dag Loh­de mit Unter­stüt­zung der Gemein­de Mühlenbecker-Land.

Kon­takt: klang­land­schaf­ten